EINKAUFEN PER MAUSKLICK

Beim Versandhandel zahlen wir alle drauf!

„Mancher kauft vieles billig ein und muss es doch siebenfach bezahlen...\" (Jesus Sirach 20,12). Nein das ist nicht die „Stiftung Warentest\", das sagt der jüdische Weisheitslehrer Jesus Sirach. Seine Beobachtung aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus hat es immerhin in die Bibel geschafft. Er kannte die Konsumgewohnheiten seiner Zeitgenossen. Schnäppchen waren auch schon damals sehr begehrt!
Bei uns setzt sich immer mehr der Versandhandel als Einkaufsmodell durch, der große Renner! Mühelos surfen schon Kinder durch die üppige Warenwelt. Ein Mausklick, und ein paar Stunden später klingelt bereits der Paketbote an der Haustür. Einkaufstour vom heimischen Sofa aus, bequemer geht\'s nun wirklich nicht!
Und billiger eigentlich auch nicht, blendet man einmal jene Kosten aus, die nicht der Kunde, sondern die Allgemeinheit zu berappen hat. Den immensen Aufwand etwa für die Verpackung und das damit verbundene Recycling. Die Verkehrsbelastung durch die direkte Zustellung. All das wird noch verschärft durch die Tatsache, dass etwa 30 Prozent der Waren, bei Klamotten oft die Hälfte wieder zurückgeschickt wird.
Sind wir uns denn über die langfristigen Folgen dieses Konsumverhaltens klar?
In den Innenstädten sterben die Läden, schwarze Höhlen statt bunter Schaufenster, unsichere Straßen. Immer weniger qualifiziertes Verkaufspersonal. Dafür aber umso mehr Paketzusteller. Viele von ihnen sind unterbezahlt oder arbeiten scheinselbständig auf eigenes Risiko. Das bisschen Trinkgeld wiegt dieses kümmerliche Salär bei weitem nicht auf! Entlohnt wird bei einigen nur die zugestellte Sendung. Wer die Empfänger nicht antrifft, hat eben Pech gehabt.
„Lang mach ich das nicht\", klagt mir einer dieser Kuriere sein Leid. Die extremen Arbeitsbedingungen und die überlangen Arbeitszeiten gehen auf die
Knochen: Schwere Last - treppauf, treppab, bei Wind und Wetter. Und nur am Rande vermerkt: Sollten diese „Paketsklaven\", wie man sie in Gewerkschaftskreisen gerne nennt, eines Tages von Paket-Drohnen abgelöst werden, die surrend das Päckchen auf dem Balkon ablegen, wird sich der Himmel über den Städten verdunkeln.

Ich schlage vor, dass sich künftig bei jeder Online-Bestellung ein Ethik-Fenster öffnet, in dem die Folgekosten aufgelistet werden. Unter Garantie bekäme der biblische Weisheitslehrer und Konsumkritiker in leichter Abwandlung recht:
Mancher kauft vieles billig ein, aber die Allgemeinheit muss es siebenfach bezahlen.